English Information

Oliver Krischer auf Facebook
Oliver Krischer auf YouTube
die Grüne Energiewende
Abgasskandal
Grüner Breitbandcheck

Aus der Fraktion

    • Date: 2 December 2016
    • Deutsche Autobauer wollen eigenständig eine Schnellladeninfrastruktur für Elektroautos aufbauen - damit gehen sie die Verbreitung von Elektroautos endlich ernsthaft an.
    • Date: 1 December 2016
    • Mit dem neuen EU-Energiepaket wollte die Kommission den Klimaschutz stärken, den Energiemarkt effizienter gestalten und auch für mehr Energiesicherheit sorgen. Doch das Energiepaket bleibt weit hinter dem Erforderlichen zurück, manches geht sogar in die völlig falsche Richtung.
    • Date: 30 November 2016
    • Wir setzen uns dafür ein, dass die Atomkonzerne die Kosten für den Atommüll tragen und nicht am Ende der Gesellschaft aufgebürdet werden.
24. Juni 2012

Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema Unkonventionelle Erdgasförderung

Im zweiten Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema Unkonventionelle Erdgasförderung wurde deutlich, dass nach wie vor viele Umweltrisiken nicht ausgeschlossen werden können. Die Schiefergaspotenziale in Deutschland scheinen jedoch größer zu sein, als bisher angenommen.

Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema Unkonventionelle Erdgasförderung

Unter dem Titel „Nachgebohrt! – Risiken und Perspektiven der unkonventionellen Erdgasförderung“ kamen auf Einladung der Grünen Bundestagsfraktion ca. eineinhalb Jahre nach dem ersten Fachgespräch  im November 2010 erneut ExpertInnen im Deutschen Bundestag zusammen, um über den aktuellen Stand der Potenzialabschätzungen und Umweltgefährdungen, sowie über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der unkonventionellen Erdgasförderung mit den ca. 50 TeilnehmerInnen zu diskutieren.


Bärbel Höhn, stellv. Fraktionsvorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die aktuelle Situation der Schiefergasförderung weltweit und in Deutschland. Während andere Länder wie Frankreich auf die Berichte aus den USA über schwere Umweltverschmutzung bei der Förderung von Unkonventionellem Erdgas mit einem Moratorium reagiert hätten, sei die schwarz-gelbe Bundesregierung bisher völlig untätig geblieben. Der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen sei u.a. auch für seine ignorante Haltung in der Debatte über die unkonventionelle Erdgasförderung bei der NRW-Landtagswahl am 13. Mai von den WählerInnen abgestraft worden.

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion NRW, Wibke Brems, berichtete anschließend aus der Perspektive eines der am stärksten betroffenen Bundesländer über die aktuelle Situation in NRW. Die rot-grüne Landesregierung habe auf die Berichte aus den USA schnell und entschlossen reagiert und im Frühjahr 2011 ein Moratorium für Bohrungen nach der Fracking-Methode ausgesprochen. Auch im gerade beschlossenen Koalitionsvertrag habe man sich erneut darauf verständigt, keine Genehmigungen für Erdgas-Probebohrungen und Frackingmaßnahmen zuzulassen, bis die nötigen Datengrundlagen zur Bewertung vorhanden sei. Da dieses Moratorium jedoch nicht unendlich gelten könne und einer eventuellen Klage eines Erdgasunternehmens kaum standhalten dürfte, sieht Brems als Landespolitikerin dringenden Handlungsbedarf auf Bundesebene. Die schwarz-gelbe Bundesregierung müsse die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung vor der Genehmigung von Bohrungen nach der Fracking-Methode sofort verpflichtend einführen. Außerdem müsse das Bundesberggesetz an die Anforderungen der neuen Technologie angepasst werden.

Im Anschluss berichtete Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt (UbA) über die Umweltrisiken der Förderung von Unkonventionellem Erdgas. Auf Grund der mangelnden Datenlage habe das UbA in seiner im Sommer 2011 veröffentlichten und im Dezember 2011 überarbeiteten STUDIE, die Risiken nur benennen, aber nicht bewerten können. Es gebe jedoch mittlerweile klare Hinweise darauf, dass gewisse Risiken für Boden und Grundwasser beständen. Kirschbaum hob dabei zuerst den Flächenverbrauch hervor. Bei einer flächendeckenden Erschließung sei von 20 bis 30 Bohrplätzen auf einer Fläche von 200 km2 auszugehen. Weitere Gefahrenquellen seien der Transport und die Lagerung von Chemikalien und des sogenannten „Flowbacks“. Dies sei jedoch nicht spezifisch für die Förderung aus unkonventionellen Lagerstätten, sondern gelte genauso für die konventionelle Erdgasförderung. Weiter verwies Kirschbaum auf die vorhandene Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers mit giftigen Chemikalien. Auch Kirschbaum sprach sich für die Einführung einer UVP-Pflicht aus und bezeichnete diese auch als „europarechtlich geboten“. Weiter definierte Kirschbaum eine Reihe von Mindestanforderungen. Solange es noch eine Vielzahl ungelöster Fragen gebe, wie gegenwärtig der Fall, empfehle das Umweltbundesamt den Bergbehörden der Länder auf die Erteilung Genehmigungen für den Einsatz der Fracking-Technologie zu verzichten.

Stefan Ladage von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stellte auf dem Fachgespräch die neue POTENZIALSTUDIE  der BGR vor. Nach dieser Potenzialstudie beträgt das technisch gewinnbare Schiefergaspotenzial in Deutschland zwischen 0,7 und 2,3 Bill. Kubikmeter Erdgas. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 11,8 Mrd. Kubikmeter Erdgas gefördert. Die Förderung auf heutigem Niveau könnte also mit dem vermuteten Schiefergaspotenzial noch ca. 60 bis 200 Jahre fortgeführt werden. Die konventionellen Reserven seien dagegen in zehn bis zwölf Jahren erschöpft. Der Gesamtverbrauch an Erdgas in Deutschland lag in Deutschland im Jahr 2011 bei ca. 86 Mrd. Kubikmetern. Mit den von der BGR errechneten Schiefergaspotenzial könnte sich Deutschland also bei gleich bleibendem Verbrauch ca. acht bis 27 Jahre selbst versorgen. Ladage wies jedoch darauf hin, dass die Schiefergasvorkommen in so kurzer Zeit nicht annähernd erschlossen werden könnten. Die BGR-Studie enthält weiter auch Hinweise zu Umweltaspekten der unkonventionellen Erdgasförderung.

Dirk Seifert vom Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) stellte in seinem anschließenden Vortrag klar, dass sich das Thema Fracking mittlerweile von einem regionalen Thema, zu einem nahezu bundesweiten Thema entwickelt habe, und sich überall ähnliche Fragen zu den Umweltauswirkungen der Fracking-Technologie stellten. Der VKU vertrete dabei die Position, dass Erdgas zwar ein wichtiger Energieträger sei, Unfälle bei dieser Technologie jedoch niemals ausgeschlossen werden könnten. Gerade in sensiblen Gebieten zur Trinkwassergewinnung, wie zum Beispiel am Bodensee als Deutschlands größtem Trinkwasserreservoire, sehe die kommunale Wasserwirtschaft die Förderung unkonventioneller Erdgasressourcen kritisch. Im Zweifel müsse der Schutz des Trinkwassers immer Vorrang haben. Eine der Kernforderungen des VKU sei daher, neben der Einführung einer verpflichtenden UVP, die Förderung von unkonventionellem Erdgas in den Trinkwasserschutzzonen I – III komplett auszuschließen.

Roland Gaschnitz von dem Unternehmen aix-o-therm GeoEnergien, welches Bohrungen nach Kohleflözgas in NRW plant, vertrat die Auffassung, dass der Einsatz der Fracking-Technologie bei Kohleflözgas wahrscheinlich nicht zielführend sei. Hierin liege ein deutlicher Unterschied zu Bohrungen im Schiefergestein, in denen ohne Einsatz der Fracking-Technologie eine Erdgasförderung nicht möglich sei. Die Unternehmen HammGas und RheinGas würden daher flözgasspezifische Lösungen suchen. Große Mengen Lagerstättenwasser würden jedoch auch bei der Förderung aus Kohleflözen anfallen. Diese könnten jedoch mit vorhandener Technik als Industrieabwasser entsorgt werden.

Die Bürgerinitiativen wurden auf dem Fachgespräch von Jörn Krüger von der IG Gegen Gasbohren aus Nordwalde vertreten. Krüger stellte heraus, dass es sich bei vielen der im Zusammenhang mit der Fracking-Technologie genannten Umweltrisiken, eher um Risiken der Erdgasförderung allgemein handle. Krüger forderte von den Unternehmen und Behörden wesentlich mehr Transparenz, Offenheit und Nachvollziehbarkeit. Um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen, sei eine Novelle des Bundesberggesetzes, sowie eine Restrukturierung der Bergbehörden notwendig. Darüber hinaus präsentierte Krüger die auf einer Tagung der deutschen Bürgerinitiativen beschlossene sogenannte „Lünner Resolution“, in welcher die Bürgerinitiativen fordern, dein Einsatz der Fracking-Technologie, sowie die Verpressung von Abwässern komplett zu verbieten.

Fazit: Hinter einer möglichen Förderung von unkonventionellem Erdgas in Deutschland stehen nach wie vor viele Fragezeichen. Es bleibt weiter unklar, wie eine Förderung von Unkonventionellem Erdgas jemals unter verträglichen Umweltbedingungen durchgeführt werden kann. Fakt ist, dass es nach Aussage fast aller ExpertInnen erheblicher Nachbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, vor allem im Berg- und im Wasserrecht bedarf. Die Schiefergaspotenziale in Deutschland sind aber offenbar größer, als bisher angenommen.

Nachfolgend finden Sie die Präsentationen der ReferentInnen:

2012_06_25_Brems_Gruene_NRW.pdf 2012 06 25 Brems Gruene NRW (Größe: 1.3 MB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)
2012_06_25_Krueger_IGGG_FG_Fracking.pdf 2012 06 25 Krueger IGGG FG Fra... (Größe: 1.8 MB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)
2012_06_25_Ladage_BGR_FG_Fracking.pdf 2012 06 25 Ladage BGR FG Frack... (Größe: 1.5 MB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)
2012_06_25_Seifert_VKU_FG_Fracking.pdf 2012 06 25 Seifert VKU FG Frac... (Größe: 1.4 MB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)
2012_06_25_Kirschbaum_UbA_FG_Fracking.pdf 2012 06 25 Kirschbaum Ub A FG ... (Größe: 1.5 MB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)
2012_06_25_Gaschnitz_aix-o-therm_FG_Fracking.pdf 2012 06 25 Gaschnitz aix-o-the... (Größe: 856 KB, Typ: pdf, Zuletzt geändert: 27.06.12)