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Aus der Fraktion

    • Date: 29 March 2017
    • Selbstlernende Thermostate, Dachziegel mit integriertem Windrad, intelligent vernetzte Speicher oder Heizungen im Fenster - die grüne Bundestagsfraktion hat zusammen mit der Generation Energie 4.0 in die Zukunft geblickt.
    • Date: 23 March 2017
    • Beim Treffen mit der Energiespeicherbranche wurde deutlich, dass das größte Hemmnis für den Einsatz von Energiespeichern die Bundesregierung ist. Das macht die Energiewende teurer als sie sein müsste.
    • Date: 23 March 2017
    • Am 23.3.2017 haben wir gemeinsam mit der CDU/CSU- und der SPD-Fraktion das Gesetz für die Endlagersuche beschlossen. Der Gesetzesentwurf enthält auch ein Exportverbot für Forschungsmüll, für das wir hart gekämpft haben.
27. Januar 2016

Fachgespräch: Digitalisierung - Eine Chance für die Energiewende?!

In Zukunft werden wir eine immer größere Flexibilität des Energiesystems brauchen. Digitale Technologien wie intelligente Netze („Smart Grids“) oder intelligente Messsysteme („Smart Meter“) können dabei helfen.

Fachgespräch: Digitalisierung - Eine Chance für die Energiewende?!

Die Digitalisierung der Energiewende ist in aller Munde. Unsere Energieversorgung der Zukunft besteht aus einem Mix unterschiedlicher dezentraler und volatiler Energiequellen, vor allem Wind und Sonne. In Zukunft werden wir eine immer größere Flexibilität des Energiesystems brauchen. Digitale Technologien wie intelligente Netze („Smart Grids“) oder intelligente Messsysteme („Smart Meter“) können dabei helfen, dezentral erzeugte, fluktuierenden Erneuerbaren Energien ins System zu integrieren, den Energieverbrauch besser zu steuern, Spitzenlasten in lastenschwächere Zeiten zu verschieben und Anreize zu stromsparendem Verhalten zu setzen.

Die Grüne Bundestagsfraktion hat am 27. Januar 2016 zum Fachgespräch „Digitalisierung: Eine Chance für die Energiewende?!“ eingeladen. Anlass war der laufende Gesetzgebungsprozess zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur „Digitalisierung der Energiewende“. Konkret interessierte die grüne Bundestagsfraktion: Was sind die Potenziale intelligenter Technologien für die Energiewende? Wie kann der Einsatz smarter Technologien zu mehr Energieeffizienz beitragen? Mit welchen Instrumenten können Lastflüsse effizienter gestaltet werden? Was ist der Nutzen für Netzbetreiber, Erzeuger Erneuerbarer Energien oder Privathaushalte? Welche Schwachstellen hat der Gesetzentwurf, und wie können diese verbessert werden?

Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender hob in seiner Begrüßung den Wandel in Gesellschaft und Energiemarkt hervor: Die Digitalisierung der Gesellschaft sei weit voran geschritten, Smart Phones unser täglicher Begleiter – diese Digitalisierung mache auch nicht vor der Energieversorgung halt. Der Erneuerbare Energiemarkt werde zudem immer dezentraler. Während es in Deutschland früher einige Hundert, meist fossile, Großkraftwerke gab, tragen heute tausende von Windkraftanlagen und hunderttausende von Photovoltaik-Paneele zur Stromversorgung bei. Dieser Trend berge zahlreiche Herausforderungen für die effiziente Organisation der Energieversorgung. Die Digitalisierung könne einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.

Informations- und Kommunikationstechnologien als Ermöglicher der Energiewende

Dr. Patrick Graichen von der Denkfabrik Agora Energiewende zeichnete in seinem Vortrag das Bild eines dezentral organisierten, flexiblen und effizienten Energiesystems der Zukunft. In einer Welt sinkender CO2-Emmissionen werde der Strom auch im Verkehrs- und Wärmesektor immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die schwankende Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien und eine Veränderung im Abnahmeverhalten der Verbraucher durch den Einsatz von Speichersystemen verlangten nach immer mehr Flexibilität im System. Dieses werde damit zum zentralen Element der Energieversorgung. Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) spiele damit eine immer wichtigere Rolle. IT-Technologien müssten dezentrale Lösungen begünstigen und zusammenbündeln, sodass vielen Klein-Anlagen große Beiträge für das Gesamtsystem zu erreichen in der Lage seien. Während der Einsatz von Smart Metern für reine Verbraucher im Haushaltskundenbereich keinen Nutzen bringe, sei es aber notwendig, Prosumer in ein intelligentes System einzubinden. IKT und Steuerung würden aufgrund von steigenden Prosumerzahlen zunehmende an Bedeutung gewinnen. In einem solchen System hätte Einsparung zukünftig einen höheren Wert wenn weniger Wind- und/oder Sonnenstrom verfügbar seien, Flexibilität bekäme auf Nachfrageseite eine entsprechende Bedeutung. Lastmanagement und Energieeffizienz würden so zu dem Konzept der Flex-Efficiency als Design für neue Anlagen und Geräte verschmelzen. IKT übernähmen dabei die Rolle des zentralen Enablers, um diese Prozesse zu steuern.

Neue Rollenverteilung bei den Netzbetreibern

Auch Klaus Homann vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT bewertete Smart Meter als „Enabler“ der Energiewende und hob dabei deren Bedeutung für das Lastmanagement hervor. Schwerpunktmäßig ging er in seinem Vortrag auf die im Gesetzentwurf geplante Verantwortungsübertragung für Datenaufbereitung und -kommunikation sowie für die Bilanzkoordination auf die Übertragungsnetzbetreiber ein. Aus seiner Sicht böte die Ansiedlung der neuen Prozesse bei den Übertragungsnetzbetreibern deutliche Vorteile. So sei es wirtschaftlich sinnvoll, die zukünftig täglich durchzuführende Bilanzierung und die notwendige Verarbeitung der großen Menge von 15-Minuten-Verbrauchsdaten bei nur vier Übertragungsnetzbetreibern statt bei rund 900 Verteilnetzbetreiber aufzubauen. Auch mit Blick auf die Verarbeitung der Daten könnten die Übertragungsnetzbetreiber mehr Datensicherheit gewährleisten. Denn ähnlich hohe Sicherheitsanforderungen würden bereits heute an die Leitsysteme gestellt. Die vorgesehene Rollenverteilung sei zudem effizienter, da Übertragungsnetzbetreiber als Systemverantwortliche künftig mehr denn je auf umfassende Daten zu Erzeugung und Verbrauch angewiesen seien. Die künftig generierten kurzzyklischen Daten ermöglichten in der smarten Welt die Gewährung der Systemsicherheit durch den Übertragungsnetzbetreiber, etwa bezogen auf die Systembilanzierung oder überregionale Engpässe.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Holger Loew vom Bundesverband Erneuerbarer Energien hinterfragte in seinem Vortrag kritisch, inwiefern der Gesetzentwurf der Bundesregierung die Kommunikationsanforderungen Erneuerbarer Energieversorger hinreichend abbilde. Er betonte, dass sich insbesondere für Betreiber kleiner Erneuerbarer Energien-Anlagen der Einbau von Smart Metern nicht rentiere. Die im Gesetzentwurf angesetzten Kosten für den Einbau eines Smart Meters seien etwa für Betreiber kleiner Photovoltaik-Anlagen unverhältnismäßig. Hinzu kämen verdeckte Kosten, die durch den Eigenstromverbrauch der Smart Metern entstünden sowie das Problem des Schutzes der generierten Daten.

Ein zwangsweiser Einbau von Smart Metern für Anlagen mit einer installierten Leistung von 7 Kilowatt – so wie im Gesetzentwurf vorgesehen – könnte daher den Einbau von Erneuerbaren Energien-Kleinanlagen in Zukunft unrentabel machen und damit den Ausbau einer dezentralen Erneuerbare Energieversorgung deutlich ausbremsen. Weiterhin merkte er an, dass die Abregelung kleiner Anlagen den Ausbau der Verteilnetze höchstens verzögern könne, denn mit einer zunehmenden Elektromobilität müssten die Verteilnetze ohnehin verstärkt werden.

Risiken des Gesetzentwurfes aus Verbrauchersicht

Johanna Kardel von der Verbraucherzentale Bundesverband beleuchtete den Gesetzentwurf der Bundesregierung aus Verbrauchersicht. Dabei betonte sie, dass eine verpflichtende Ausstattung von Privathaushalten mit Smart Metern ein schwerwiegender Eingriff in die Verbrauchersouveränität sei, der mit zusätzlichen Kosten aber ohne erkennbarem Nutzen verbunden sei. Denn Smart Meter alleine könnten noch kein Strom und kein Geld sparen. Einsparungen könnten erst durch Verhaltensänderung erzielt werden. Grundlegend dafür seien bessere Informationen und finanzielle Anreize, wie variable Tarife. Aktuell seien variable Tarife allerdings Mangelware. Zudem hätten Studien ergeben, dass sich variable Tarife finanziell auch zukünftig nur für Haushalte mit Speicherheizungen lohnen. Hinzu käme das Problem der Erfassung sensibler Verbrauchsdaten durch die intelligenten Messsysteme. Auch für das Gesamtsystem sei kein Nutzen erkennbar, da das Lastverlagerungspotenzial in Haushalten sehr gering sei. Ein positiver Effekt für die Energiewende sei nicht gesichert. Daher dürfe es für private Haushalte keine Zwangsausstattung mit Smart Metern geben. Zwang sei nicht förderlich für die Akzeptanz neuer Technologien. Statt auf Zwang zu setzen, sollte stärker über Anreize für den Einbau intelligenter Messsysteme und die dafür nötigen Rahmenbedingungen nachgedacht werden.

Smart Meter als Baustein einer 100%-PV-Welt

Prof. Gerd Heilscher, Professor für „Energiedatenmanagement dezentraler regenerativer Energiesysteme“ an der Hochschule Ulm hob in seiner Präsentation die zentrale Bedeutung digitaler Technologien für das Lastmanagement bei einer flächendeckenden Ausstattung mit Photovoltaikanlagen hervor. Er berichtete von seinen Erkenntnissen im Rahmen einer Forschungsgruppe, die in „Reallaboren“ damit experimentiert, Stadtteile, in denen bereits viele PV-Anlagen installiert sind, mit Smart Metern auszustatten. Dabei käme Smart Metern beim Lastmanagement eine bedeutende Rolle zu, denn „Strom ist nur dann wertvoll wenn er gebraucht wird, das gilt auch für Solarstrom“. Für die Energiewende sei daher eine Digitalisierung notwendig. Digitale Technologien könnten den Netzausbau entlasten und den Netzzustand verbessern. Ein dezentrales Energiesystem benötige ein intelligentes Kommunikationssystem, um flexibel auf Lastschwankungen reagieren zu können. Dabei solle die Rolle der Verteilnetzbetreiber gestärkt werden, da diese vor-Ort-Lösungskompetenz besäßen und regional das Energiesystem regeln könnten. Zum Gesetzentwurf merkte er an, dass man darauf achten müsse, dass die dort getroffenen technischen Richtlinien, etwa mit Bezug auf die vorgesehenen Wechselrichter, international kompatibel seien.

Trotz der vielschichtigen Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln, waren sich die Referent*innen in einem Punkt einig: Die Digitalisierung ist eine Chance für die Energiewende. In der lebhaften Diskussion war das Publikum vor allem interessiert an Fragen des Datenschutzes beim Einbau von Smart Metern, dem Nutzen von Smart Metern für Privathaushalte sowie für Prosumer. Auch die Rollenverteilung zwischen Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern war ein wichtiger Diskussionspunkt. So wurden etwa die Vorteile einer regionalen Verankerung von Verteilnetzbetreibern im Vergleich zur durch die Übertragungsnetzbetreiber gewährleisteten Systemstabilität diskutiert.

In ihrem Schlussstatement fasste Dr. Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Fraktion, zusammen, dass im Fachgespräch deutlich geworden sei, dass die Digitalisierung käme und die zentrale Frage nur sei, wie wir sie gestalten wollten. Auch wenn sich aktuell der Einbau von Smart Metern bei Haushalten ohne Wärmepumpe, Elektro-Autos oder PV-Anlagen nicht lohne – das sei doch die Welt, auf die wir uns hinbewegen wollten. Daher sei es wichtig, jetzt schon die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Wichtig sei dabei, klare Regeln bei den Kommunikationsstandards aber auch bei den Datensicherheitsstandards zu setzen. Bezogen auf den Gesetzentwurf der Bundesregierung habe das Fachgespräch auf zahlreiche Schwachstellen hingewiesen. So seien die Fragen der Reihenfolge und der Geschwindigkeit eines Smart-Meter-Rollouts nicht sinnvoll gelöst worden. Denn das Fachgespräch habe deutlich gezeigt, dass insbesondere bei Kleinverbrauchern ohne Lastverschiebungspotenzial ein intelligentes Messsystem nicht sinnvoll sei. Je höher der Energieverbrauch und je mehr Potenzial zur Lastverschiebung, desto bedeutender, sinnvoller und angemessener sei ein Einbau von Smart Metern für Energiewende.