11. November 2011

Fachgespräch Speichertechnologien

Weit über 100 Teilnehmer diskutierten beim Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema „Die Speicherfrage – Stolperstein für die Energiewende?“. Die Hauptbotschaft: Wir müssen jetzt Forschung und Markteinführung forcieren, damit wir nach 2020 ausreichend Speichermöglichkeiten haben. Doch die politischen Rahmenbedingungen sind noch weiter auszubauen. Denn es reicht nicht aus, die Energiewende zu beschließen, dann aber das Speicherthema nicht weiter zu fokussieren.

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Die Energiezukunft hat spätestens mit dem breiten Konsens zum Atomausstieg begonnen. Die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien stellt das gesamte Versorgungssystem vor große Herausforderungen. So wird Strom künftig nicht immer dann erzeugt werden, wenn er auch gebraucht wird, sondern zunehmend wenn der Wind bläst und die Sonne scheint. Für den zeitlichen Ausgleich sollen Speicher sorgen, in denen Strom „zwischenlagern“ kann bis er gebraucht wird. In Deutschland sind zurzeit nur wenige Hundert Megawattstunden Speicherkapazitäten für Strom verfügbar, überwiegend als Pumpspeicherkraftwerke. Es ist unstrittig, dass der künftige Bedarf an Stromspeichern um ein Vielfaches höher liegt. Dabei stellen sich jedoch noch grundsätzliche Fragen.

So ist noch nicht absehbar, in welchem Umfang, wann und welche Speichertechnologien tatsächlich benötigt werden. Auch die Frage nach einem rechtlichen Rahmen für den wirtschaftlichen Betrieb von Speichern ist bislang völlig offen. Diese Fragen geraten zunehmend in den energiepolitischen Fokus und werden teils sehr kontrovers diskutiert. Die eingeladenen Experten konnten im Fachgespräch deutlich machen, dass in der Speicherfrage für Aktionismus kein Grund besteht. Unser Stromversorgungssystem ist stabiler als von so manchem Kritiker der Energiewende postuliert. In den kommenden Jahren werden größere Speicherkapazitäten kaum benötigt werden. Hier gilt es vielmehr, den Netzausbau voranzubringen und den Kraftwerkspark zu flexibilisieren – sprich: schwerfällige Kohle- und Atomkraftwerke durch erneuerbare Energien und flexible Gaskraftwerke zu ersetzen. Ab 2020 rückt der Speicherbau dann aber stärker in den Fokus.

Bis dahin müssen kostengünstige und technologisch ausgereifte Speichermöglichkeiten einsatzbereit werden. Dieses Ziel ist erreichbar, denn an technischen Optionen mangelt es nicht. Wir müssen aber heute die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Speichertechnologien entschieden vorantreiben, vor allem um die Effizienz zu erhöhen und die Kosten zu drücken.

Dabei betonte Dr. Felix Matthes vom Öko-Institut in seiner PRÄSENTATION, dass die Speicherfrage nicht nur derzeit von Relevanz ist, sondern auch mittel- und langfristig weiter vorangetrieben werden muss. Den die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien erfordert neben dem Aus- und Umbau der Stromnetze auch die Einrichtung und weitere Entwicklung von Speicherkapazitäten. In den Augen von Herrn Matthes sind Speicher für Investoren momentan jedoch noch nicht lukrativ genug. Deshalb sollte es Aufgabe der Politik sein, hier Anreizmechanismen zu schaffen.

Genau dieser Frage nach den vorhandenen wirtschaftlichen Hemmnissen, aber auch Potenzialen von Speichern in Deutschland gingen Cornelius Pieper von der Boston Consulting Group und Karl Nestmeier von CLEAN ENERGY in ihren Präsentationen nach. Dabei machten sie auf der einen Seite auf das große Interesse von Seiten der Wirtschaft insbesondere von Technologieanbietern, aber auch von der Energieversorgerseite aufmerksam. Dies führe zudem zu neuen Geschäftsmodellen und neuen Marktteilnehmern. Auf der anderen Seite wurde jedoch auch festgestellt, dass es noch immer viele offene Fragen gibt. Die Teilnehmer diskutierten dabei vor allem die Frage, mit welchen regulatorischen Randbedingungen geplant werden kann?

Dr. Carsten Pape vom Fraunhofer IWES und Prof. Dr. Wietschel vom Fraunhofer ISI widmeten sich der Frage, ob es in Deutschland ein Speicherproblem gibt und wie mögliche Lösungsansätze für dieses Problem aussehen. Dabei wurde vor allem darauf hingewiesen, dass die Speicherfrage eine saisonale Frage ist. Bereits jetzt gibt es etwa im Sommer in den Monaten mit hoher Sonneneinstrahlung viel Strom aus Photovoltaik-Anlagen, wohingegen in sonnenschwächeren Monaten mit weniger Strom durch Photovoltaik-Anlagen zu rechnen ist. Wie mögliche Lösungen für dieses Problem mit neuen Speichern aussehen, erläuterten sie in der IWES-RÄSENTATION sowie der ISI-PRÄSENTATION.

Zum Stand und den Perspektiven der Speichertechnologien äußerte sich unter anderem Prof. Dr. Dirk Sauer von der RWTH Aachen. Er ging in seiner PRÄSENTATION vor allem auf die verschiedenen Speichertechnologien ein, die zukünftig eine Rolle spielen können. Dabei unterschied er vor allem zwischen Kurzeitspeichern, die nur wenige Sekunden überbrücken müssen und Langzeitspeichern, die mehrere Tage überbrücken müssen. Bei der Frage, wie viele Speicher wir in Deutschland zukünftig überhaupt benötigen, verwies er vor allem darauf, dass sich dies am Kraftwerkspark und am Netzausbau orientiere.

Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie betonte in seinem VORTRAG das Problem der teuren kleineren Akkus. Denn gerade kleine Speicher sind von Bedeutung, auch wenn das die Energiewirtschaft teils anders sieht. In seinen Augen ist die Vernetzung vieler kleinerer Akku-Batterien ein Lösungsweg für das Speicherproblem.

Dr. Markus Hakes von der Aachener Trianel GmbH betonte hingegen, dass große Wasserkraftspeicher ideal für die Speicherung von überschüssiger Energie sei, die dann später genutzt werden könne. Durch eine frühe Bürgerbeteiligung könne man solche Großprojekte weiterhin erfolgreich umsetzen.

Auf die Frage der Möglichkeit der Speicherung von Energie durch die Methanisierung ging Stephan Rieke von Solarfuel GmbH in seiner PRÄSENTATION ein. Demnach ist das Methanisierungsverfahren bereits soweit fortgeschritten, dass es sofort in das bestehende Gasnetz eingespeist werden kann und bereits jetzt als Speichertechnologie zur Energiewende beitragen könne.

Allen Referenten gemeinsam ist die Tatsache, dass die Entwicklung und der Ausbau von Speichern im Rahmen der Energiewende zunehmend in den energiepolitischen Fokus rücken muss.

Auf politischer Ebene wird nicht zuletzt deshalb derzeit verschiedene Vorschläge für die Förderung des Speicherbaus diskutiert. Dazu zählt etwa die Befreiung der Speicher von den Netzentgelten, die Ausweitung der Forschungsförderung sowie eine Förderung bei der Markteinführung von neuen Speichertechnologien. Doch die schwarz-gelbe Bundesregierung hat diesbezüglich seit der Verabschiedung der Energiegesetze vor einem halben Jahr noch nicht viel unternommen. Der Weg in der Energiepolitik bis 2050 ist zwar grob von ihr gezeichnet, doch konkrete Maßnahmen bei der Speicherfrage fehlen – neben den vielen anderen energiepolitischen Fragen – auch hier.

Bündnis 90/Die Grünen wollen daher auch weiterhin gemeinsam mit Unternehmen, Verbänden und den BürgerInnen im Rahmen der Energiewende Hemmnisse bei den Speichertechnologien abbauen. Dazu brauchen wir Anreizmechanismen für die Speicherbereitstellung und Technologieentwicklung genauso wie für flexible Kraftwerke und ein intelligentes Lastmanagement.