Oliver Krischer auf Facebook
Oliver Krischer auf YouTube
BDK in Freiburg

Aus der Fraktion

    • Date: 17 May 2013
    • Das Gutachten der Deutschen Umwelthilfe und des BUND bestätigt: unsere bisherige Politik ist auf dem richtigen Weg. Grenzwerte und Mindestwirkungsgrade für Kohlekraftwerke lassen sich rechtssicher einführen.
    • Date: 16 May 2013
    • Mit einem 10-Punkte-Plan war Peter Altmaier vor einem Jahr als Umweltmimister gestartet. Es sollte ein Fahrplan sein. Der Showman Altmaier ist aber inhaltlich bereits in der Sackgasse gelandet. Eine Bilanz.
    • Date: 14 May 2013
    • Erst Nichtstun und dann Streit – nach über drei Jahren können sich Union und FDP weiterhin nicht auf eine gemeinsame Linie zur Einschränkung der Gasförderung mittels Fracking einigen. Damit wird es wohl nichts mehr werden mit einer dringend benötigten Regelung zu Fracking auf Bundesebene.
11. Juni 2012

Fachgespräch zur Mitverbrennung holzartiger Biomasse in Kohlekraftwerken

Über 75 TeilnehmerInnen diskutierten beim Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion zum Thema „Mitverbrennung holzartiger Biomasse in Kohlekraftwerken – Beitrag zur Energiewende und Klimaschutz?“ im Deutschen Bundestag mit ExpertInnen. Die Hauptbotschaft dabei war: Es ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch äußerst fragwürdig, ob eine Mitverbrennung in Kohlekraftwerken Sinn macht.
Fachgespräch zur Mitverbrennung holzartiger Biomasse in Kohlekraftwerken

Die Kohleverstromung ist die klimaschädlichste und ineffizienteste Art der Stromerzeugung und trägt erheblich zum Klimawandel bei. Selbst modernste Kohlekraftwerke erreichen gerade einmal einen elektrischen Wirkungsgrad von höchstens 45 Prozent. Trotz der großen Klima- und Umweltschäden stammt heute noch immer fast die Hälfte des in Deutschland produzierten Stroms aus Kohlekraftwerken. Da CO2-Emissionsrechte für die Stromerzeugung ab dem Jahr 2013 vollständig ersteigert werden müssen, prüfen Energiekonzerne wie RWE AG und Vattenfall Europe AG den Einsatz von holzartiger Biomasse zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken, denn für die eingesetzte Biomasse müssen keine Emissionszertifikate erworben werden. So sollen die Wirtschaftlichkeit der Kohlekraftwerke erhöht und ein Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz geleistet werden.

Flash ist Pflicht!

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hatte zu den Potentialen der Mitverbrennung holzartiger Biomasse im August 2011 eine Studie veröffentlicht. In seiner Präsentation hat Jörg Polzer – Bereichsleiter Regenerative Energien – bei der dena auf die Chancen der Mitverbrennung hingewiesen. Demnach ist die Mitverbrennung von zehn Prozent holzartiger Biomasse in Form von Holzhackschnitzeln technisch unbedenklich. Zudem ist die Erhöhung der Mitverbrennungsanteile auf bis zu 50 Prozent durch den Einsatz veredelter Holzpellets ebenfalls möglich. Dazu bedarf es aber zunehmend auch des Imports aus nicht-europäischen Bezugsregionen wie Amerika oder Afrika.

Von den ersten Pilotprojekten in Kohlekraftwerken konnte Dr. Hans Dieter Hermes von der Vattenfall Europe AG in seiner Präsentation berichten. Demnach gab es Testbetriebe mit einem Mitverbrennungsanteil von 20, 30 und schließlich 50 Prozent im normalen Kraftwerksbetrieb. Aber auch er betonte, dass die europäischen Holzressourcen nur begrenzt verfügbar sind und man deshalb auf den Import von holzartiger Biomasse aus Übersee setzt. Eine Projektzusammenarbeit mit Liberia ist jedoch vor kurzem erst gescheitert. Zudem rechnet sich die Mitverbrennung derzeit ökonomisch nicht – nicht zuletzt aufgrund der geringen EU-Emissionszertifikatepreise von derzeit weniger als sieben Euro. Man müsse über geeignete staatliche Förderinstrumente diskutieren.

Prof. Albrecht Bemmann von der TU Dresden referierte in seinem Vortrag von den Erfahrungen aus der Wissenschaft. Er stellte u.a. klar, dass holzartige Biomasse ein knappes Gut ist und dessen Verfügbarkeit zukünftig nur teilweise durch Kurzumtriebsplantagen oder den Import erhöht werden kann. Es ist jedoch gleichzeitig davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Holz für eine energetische und stoffliche Nutzung weiter steigen wird. Daher müsse die Frage gestellt werden, ob es überhaupt sinnvoll ist, dass mehr Holz energetisch – etwa durch die Mitverbrennung in Kohlekraftwerken – genutzt wird als etwa bei der stofflichen Verwertung – z.B. bei der Möbelherstellung.

Über den Einfluss der Mitverbrennung auf den deutschen Pelletmarkt berichtete Martin Bentele vom Deutschen Energieholz- und Pelletverband e.V. (DEPV) in seiner Präsentation. Bereits heute werden in Westeuropa jährlich über 11 Mio. Tonnen Holzpellets verbraucht. Die Hälfte entfällt dabei auf die Strom- und Wärmeproduktion. Es wird mit einem weiter steigenden Verbrauch in den kommenden Jahren gerechnet. Wichtig ist in seinen Augen, dass es keine Wettbewerbsverzerrung auf dem Holzpelletsmarkt zugunsten der energetischen Nutzung durch staatliche Fördermaßnahmen gebe, wie sie sich etwa Vattenfall oder RWE wünschen.

Dr. Gerd Rosenkranz näherte sich dem Thema ‚Mitverbrennung als sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz?‘ aus Sicht eines Umweltverbandes. Als Vertreter der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) wies er darauf hin, dass die Politik zwar die Mitverbrennung nicht grundsätzlich verhindern, aber durch strenge Nachhaltigkeitskriterien einen Rahmen setzen könne. Ob dieser jedoch auch weltweit –aufgrund der erforderlichen Importe – möglich ist, sei anzuzweifeln. Daher lehnt er eine energetische Nutzung in Kohlekraftwerken ab.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit den über 75 TeilnehmerInnen wurde deutlich, dass die Mitverbrennung holzartiger Biomasse viele Risiken bezüglich der Importbedingungen aus anderen Staaten mit sich bringt und nur wenige gesicherte Vorteile besitzt. Eine energetische Nutzung von Holz in Kohlekraftwerken ist nicht wirklich sinnvoll. Sie genügt zudem nicht den Anforderungen, die in Zeiten des Klimawandels an Nutzungseffizienz und Nachhaltigkeit zu stellen sind. Der Rohstoff Holz ist viel zu wertvoll, als ihn energetisch in unflexiblen und ineffizienten Kohlekraftwerken zu verbrennen. Der Kaskadennutzung – also der Mehrfachnutzung des Holz zuerst in der stofflichen und dann energetischen Verwertung – wurde zwar ein Potential eingeräumt, es wurde aber bezweifelt, ob die Mengen eine Mitverbrennung in Kohlekraftwerken mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent überhaupt zulassen.

Als Ergebnis des Fachgesprächs bleibt festzuhalten, dass die Mitverbrennung von holzartiger Biomasse in Kohlekraftwerken in großem Stil den Druck – die Energiewende zügig umzusetzen – verringern und die politisch gewünschte Modernisierung der Energiewirtschaft verzögern würde. Mit der Mitverbrennung würden Kohlekraftwerke im Energiemix der Zukunft länger am Netz bleiben und damit alte und überholte Energieerzeugungsstrukturen mit Kohle eine unnötige Laufzeitverlängerung erhalten. Es ist widersinnig, Holz in ineffizienten und unflexiblen Großkraftwerken mit Wirkungsgraden von höchstens 45 Prozent oder weniger zu verbrennen, statt es dezentral und effizient für die Raumheizung und in Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen.

Die darüber hinaus für den Ausbau der Holzverbrennung in Kohlekraftwerken benötigten einheimischen Holzpotenziale sind begrenzt und daher gelten als mögliche Lieferquellen vor allem Regionen in Afrika und Amerika. Doch bisher ist nur ein geringer Teil des Holzes aus diesen Regionen verlässlich und nach einem hochwertigen und international anerkannten Waldbewirtschaftungsstandard zertifiziert. Hinzu kommen Zweifel, ob die nötigen Holzmengen überhaupt für einen längeren Zeitraum aus diesen Regionen importiert werden könnten, und wenn ja, ob es nicht in den meisten Ländern gerade Afrikas sinn-voller wäre, das Holz in den Ländern selbst zu verwerten.