English Information

Oliver Krischer auf Facebook
Oliver Krischer auf YouTube
die Grüne Energiewende
Abgasskandal
Grüner Breitbandcheck

Aus der Fraktion

    • Date: 29 March 2017
    • Selbstlernende Thermostate, Dachziegel mit integriertem Windrad, intelligent vernetzte Speicher oder Heizungen im Fenster - die grüne Bundestagsfraktion hat zusammen mit der Generation Energie 4.0 in die Zukunft geblickt.
    • Date: 23 March 2017
    • Beim Treffen mit der Energiespeicherbranche wurde deutlich, dass das größte Hemmnis für den Einsatz von Energiespeichern die Bundesregierung ist. Das macht die Energiewende teurer als sie sein müsste.
    • Date: 23 March 2017
    • Am 23.3.2017 haben wir gemeinsam mit der CDU/CSU- und der SPD-Fraktion das Gesetz für die Endlagersuche beschlossen. Der Gesetzesentwurf enthält auch ein Exportverbot für Forschungsmüll, für das wir hart gekämpft haben.
24. August 2015

Green New Deal für Griechenland – Erneuerbare Energien und Energieeffizienz statt Dieselgeneratoren und Braunkohlekraftwerke

Erschienen bei: Handelsblatt, am 24.08.2015 (Gastbeitrag)

Green New Deal für Griechenland – Erneuerbare Energien und Energieeffizienz statt Dieselgeneratoren und Braunkohlekraftwerke

Wie durch ein Brennglas wirken in Griechenland Defizite eines nicht nachhaltigen Gesamt-Europäischen Wirtschaftsmodells: Zentral ist die Abhängigkeit von fossilen Energierohstoffen, die ganz überwiegend importiert werden müssen. Auf mehrere hundert Milliarden Euro beläuft sich die Energierechnung, die Europa Jahr für Jahr an den König von Saudi Arabien oder Herrn Putin überweisen muss. Wären die Kosten der Folgeschäden und der Klimakrise eingepreist, die Rechnung würde deutlich höher ausfallen und wahrscheinlich die Billionen-Grenze überschreiten.

Der volkswirtschaftliche Aderlass für Öl, Gas und Kohle – die Schmiermittel einer überkommenen weil nicht nachhaltigen Ökonomie – trifft ein Land wie Griechenland, das nicht Exportweltmeister für weiterverarbeitete Produkte ist, ins Mark. Griechenland ist massiv von Energieimporten abhängig. 64% des Energiebedarfs wird importiert (zum Vergleich EU-Durchschnitt 46%). Die Milliarden-Kosten für Energierohstoffimporte haben die Außenhandelsbilanz Griechenlands jahrelang ins Minus und indirekt die Staatsverschuldung in die Höhe getrieben.

Ohne Ölrechnung wäre Griechenlands Import-/Exportsaldo halbwegs ausgeglichen. Dass die griechische Wirtschaft 2014 langsam wieder Tritt zu fassen begann, ist kaum der Austeritätspolitik von Angela Merkel geschuldet, sondern wohl eher das Ergebnis eines deutlichen gesunken Ölpreises. Nicht auszumalen, was mit der griechischen Ökonomie selbst bei stabilen politischen Rahmenbedingungen geschieht, wenn der Ölpreis – wovon zumindest mittelfristig auszugehen ist – wieder deutlich ansteigt.

Griechenland ist extrem von Ölimporten abhängig. Allein 54% des Energiebedarfs werden durch Erdöl gedeckt (zum Vergleich: Deutschland 36%). Dabei geht das Öl nicht nur in den Verkehrssektor sondern wird in relevanten Größenordnungen verstromt. Insbesondere die zahlreichen griechischen Inseln bestreiten ihre Stromversorgung überwiegend mit ineffizienten und teuren Dieselgeneratoren. 700 Mio. Euro kostete es den griechischen Staat, den Strompreis dort herunter zu subventionieren. Unter anderem deswegen stieg allein zwischen 2008 und 2013 der Preis für Energie im Land um 60%. Den Großteil der Stromversorgung auf dem Festland deckt Braunkohle, weshalb im Norden des Landes – wie in Deutschland – ganze Landstriche abgebaggert und Menschen umgesiedelt werden müssen. Erdgas, das ebenfalls teuer importiert werden muss, spielt eine zunehmende Rolle in der Stromversorgung.

Das Mittel gegen die Abhängigkeiten von Öl und Gas liegt auf der Hand: Mit vielerorts 300 Sonnentagen im Jahr und stabilen Windverhältnissen ist Griechenland prädestiniert für die Nutzung Erneuerbarer Energien. Immerhin konnte Griechenland in Zeiten der Krise seinen Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung steigern: 2010 war der Anteil von Wind und Sonne an der Stromzeugung praktisch bei Null. Heute sind es etwa 12%. Hinzu kommen noch gut 12% Wasserkraft, die schon lange genutzt werden.

Tatsächlich löste ein - nach dem Vorbild des deutschen EEG geschaffener - Einspeisetarif einen Boom aus, der jedoch 2013/2014 jäh wieder endete, weil die Regierung die Tarife rückwirkend senkte. Leider verstellten lange Zeit abgehobene solare Großprojekte und Planungen von Stromleitungen nach Zypern und Israel ebenso wie die Hoffnungen auf billiges Putin-Gas und völlig unbelegte Träumereien von gigantischen Öl- und Gasvorräten vor den Küsten des Landes den Blick auf die wirklichen Herausforderungen: Will Griechenland seine Importabhängigkeit und damit die immensen Kosten für fossile Energierohstoffe reduzieren, ist eine dezentrale Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz der einzig gangbare Weg. Solar- und Windstrom würden sich in Griechenland dank besserer natürlicher Bedingungen deutlich unter den derzeit in Deutschland geltenden 10 ct/kWh produzieren lassen.

Die gerade geschlossenen Vereinbarungen über neue Finanzhilfen gehen im Energiebereich in die richtige Richtung. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wie die Steigerung der Energieeffizienz spielen dort eine zentrale Rolle. Richtig ist das Ziel, die marktbeherrschende Stellung des früheren Monopolisten und Staatskonzern zu reduzieren. Es bietet Chancen für neue, mittelständische Akteure, wenn fortan kein Unternehmen mehr als 50% des in Griechenland verbrauchten Stroms erzeugen oder einführen darf. Doch dies darf nur der Anfang sein. Griechenland braucht aufbauend auf den jüngsten Vereinbarungen in Zusammenarbeit mit europäischen Institutionen und der EU einen „Green New Deal für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“. Das bietet eine echte Chance für das Land, aus der Abwärtsspirale herauszukommen und ein zukunftsweisendes Investition-, Infrastruktur- und Innovationsprojekt in Gang zu bringen: Die immense Importrechnung für Öl und Gas wird reduziert und die Erneuerbaren Energien schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Inland.

Die Beendigung der Abhängigkeit von fossilen Energien mit alle ihren negativen Konsequenzen für Klima, Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft ist eine griechische und eine europäische Herausforderung und Riesen-Chance. Griechenland kann dabei vom Krisen- zum Modellfall werden, denn die fossile Abhängigkeit ist in den 27 andere EU-Staaten im Grundsatz genauso wie in Griechenland.