2. Februar 2011

Potenziale von Kraft-Wärme-Kopplung nicht verkennen

Antwort auf den Artikel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zur Kraft-Wärme-Kopplung am 11. Januar 2011.

Leserbrief zum FAZ-Artikel vom 11.01.2011“Kraft-Wärme-Kopplung ist schlechter als ihr Ruf“:

Der vorgenommene Vergleich zwischen Gas- und Dampfkraftwerken (GuD) und der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) spiegelt nicht die Realität wieder. Der in dem Artikel zitierte Experte vergleicht darin eine KWK-Anlage mit einer getrennten Stromerzeugung in einem Erdgas-basierten GuD-Kraftwerk und einem Brennwertkessel und kommt zu dem Ergebnis, dass die KWK-Anlagen kaum CO2-Einsparungen erzielen. Diese Aussage mag richtig sein, nur spiegelt sie leider nicht die Realität der gegenwärtigen Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft wieder, sondern ist rein theoretischer Natur. Der reale Kraftwerkspark besteht nämlich nicht nur aus modernen GuD-Anlagen, sondern auch aus einer Vielzahl uralter und ineffizienter Kohlekraftwerke. Geht eine neue KWK-Anlage ans Netz, verdrängt sie Strom, der dem aktuellen Energiemix minus den Erneuerbaren entspricht, da diese über einen Einspeisevorrang verfügen. Was übrig bleibt ist Strom aus vielfach uralten Kohlekraftwerken, welcher durch die KWK verdrängt wird – und hier sind die CO2-Einsparungen ganz erheblich.

Der Vergleich hinkt an einer weiteren Stelle: KWK-Anlagen werden in der Industrie vor allem zur Erzeugung von Prozesswärme verwendet, die kontinuierlich benötigt wird. Der Wärmebedarf ist also unabhängig von der Witterung und ist über das gesamte Jahr hinweg relativ konstant. Die beschriebenen Lastspitzen treten bei industrieller KWK also nicht auf. Auch im privaten Haushalt ergeben sich hohe Einsparpotenziale und die sogenannten Schwarmstrom-Konzepte einzelner Unternehmen beruhen auf zentral gesteuerter und stromgeführter KWK mit Wärmespeichern. Ihre gute Regelbarkeit macht sie dabei zu einer idealen Ergänzung für Strom aus Wind- und Sonnenergie, mit einem fluktuierenden Einspeiseverhalten.

BHKW-Anlagen sind auch deshalb nicht mit GuD-Kraftwerken gleichzusetzen, da die dezentrale KWK durch die Erzeugung vor Ort eine signifikante Stromnetzentlastung mit sich bringt, während die zentralen GUD-Kraftwerke häufig den Ausbau eines Netzknotens auf Höchstspannungs- und Hochspannungsebene erfordern. Daraus lässt sich schließen, dass die KWK als bessere Alternative durchaus eine Berechtigung hat. Dies gilt nicht nur im ökonomischen, sondern vor allem im ökologischen Sinne.

Auch das Kostenargument zur Subventionierung greift zu kurz. Die KWK-Umlage betrug 2010 lediglich 0,141 Ct/kWh, wobei energieintensive Verbraucher nur in reduziertem Maße beteiligt werden. Vor dem Hintergrund des Beitrags zum Klimaschutz ist dies ein durchaus vertretbarer Preis.

Ein weiterer Beleg für den Nutzen der kleinen und mittleren KWK-Anlagen nicht nur im Klimaschutz ist, dass sie als ein Mittel für den Ausbau der dezentralen Energieversorgung steht. Statt auf Großkraftwerke wie riesige Atom- und Kohlekraftwerke zu setzen, bietet die Mini-KWK-Technologie mit ihren Anlagen, die nicht größer sind als ein gewöhnlicher Gefrierschrank und in jeden Kellerraum passen, eine wahre Alternative.

Die KWK-Potenziale einseitig darzustellen ist vielmehr ein durchschaubares Manöver eine effiziente und umweltfreundliche Technik schlecht zu machen, indem man sie mit den theoretischen Alternativen vergleicht, die aber in der realen Energiepolitik kaum eine Rolle spielen.

Dies passt in das Bild, welches die schwarz-gelbe Bundesregierung momentan in der Energiepolitik liefert. Das von Bundeskanzlerin Merkel im Herbst 2010 als „Revolution“ bezeichnete Energiekonzept, welches vor allem die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken sicherte, schenkt der KWK keine Aufmerksamkeit. Vom im Jahr 2007 formulierten Ziel, mindestens 25 Prozent des Stroms aus KWK erzeugen zu wollen ist heute nichts mehr zu hören. Damit RWE, Eon, EnBW und Vattenfall weiter Milliardengewinne mit abgeschriebenen Atomkraftwerken machen können, und nicht etwa Stadtwerke und neue Energieunternehmen bei der Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien und KWK immer weiter Fuß fassen, haben sie bei der Bundesregierung durchgesetzt, die Unterstützung für KWK einzustellen.

Bündnis 90/Die Grünen verfolgen das Ziel, den Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung auf 30 Prozent, an der Wärmeerzeugung auf 14 Prozent bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. Erhebliche Potenziale sehen wir in der Mini-BHKW-Technik. Der Einsatz von KWK in dieser Größenordnung setzt jedoch Investitionen in beträchtlicher Größenordnung voraus. Um dafür die notwendigen Anreize zu schaffen, bedarf es aber auch den richtigen Rahmenbedingungen.

KWK ist daher ein Baustein zum Umbau der Energieversorgung von Großkraftwerken hin zu dezentralen, kleineren Energieerzeugungsanlagen, die zunehmend durch die erneuerbaren Energien ersetzt werden.

Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen