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Probiert's doch mal ohne Kohle und CCS
Antwort auf den Artikel in der ZEIT zur CCS-Technologie am 15. Mai 2011.Ziel der CCS-Technik ist die Verringerung der bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden CO2-Emissionen durch ein Abscheide-Verfahren mit anschließender unterirdischer Lagerung. Ob CCS dieses Versprechen halten kann und ob der CCS-Forschungs- und Entwicklungspfad aus Aspekten der Sicherheit und der Wirtschaftlichkeit überhaupt weiterhin beschritten werden sollte, ist umstritten. Denn längst ist die anfängliche Euphorie – durch CCS die weltweiten Klimaprobleme lösen zu können – verflogen. Auch wenn rechtlich höchst umstritten, soll es in Deutschland nach den Vorstellungen der schwarz-gelben Bundesregierung einzelnen Bundesländern mithilfe einer Länderklausel möglich sein, komplette Gebiete für ein CO2-Endlager auszuschließen. In den restlichen EU-Staaten gibt es bis auf Spanien und Frankreich ebenfalls kein nationales CCS-Gesetz, obwohl dies die EU-Richtlinie 2009/31/EG aus dem Jahr 2009 fordert.
Die Aufforderung im Artikel „Probiert’s doch mal!“ für die Demonstration von CCS bei Kohlekraftwerken ist ein rückwärtsgewandtes Plädoyer für das Festhalten an überkommenen Erzeugungsstrukturen. Es ist schlichtweg falsch, dass die Kohleverstromung in Deutschland aufgrund des Atomausstiegs eine große Zukunft haben wird. Der Neubau von unflexiblen und teuren Kohlekraftwerken ist in einem Energiesystem mit einem hohen Anteil fluktuierender Einspeisung aus Wind und Sonne nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Der hohe mit der CCS-Technologie verbundene Energieaufwand in Form von bis zum einem Drittel höheren Kohleverbrauch verschlechtert die Wirtschaftlichkeit zusätzlich. CCS wirft Kohlekraftwerke auf den Wikungsgrad der 1950er Jahre zurück.
Darüber hinaus fehlt der CCS-Technologie die gesellschaftliche Akzeptanz. In den potentiellen Speichergebieten hat sich bereits Widerstand formiert, der alle Parteien und gesellschaften Gruppen einschließt. Die Menschen haben angesichts der Entwicklung der Erneuerbaren Energien nachvollziehbar kein Verständnis mehr dafür, Kohle an der einen Stelle mit größten Umweltschäden aus der Erde auszugraben, um das CO2 nachher wieder mit enormen Umweltrisiken in der Erde zu verpressen.
Es macht schlichtweg keinen Sinn, neue Kohlekraftwerke zu bauen, die dann 40 bis 50 Jahre laufen, wenn etwa der eigene Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung berechnet hat, dass wir ohne Weiteres bis 2050 eine Vollversorgung mit den Erneuerbaren Energien haben können. Mit einer ambitionierten Politik ist dieses Ziel sogar deutlich früher als 2050 erreichbar. Das ist aber nur zu schaffen, wenn wir bereits heute weiter konsequent handeln bei Energieeinsparung, Energieeffizienz und dem Ausbau der Erneuerbaren.
Daher brauchen wir kein CCS-Gesetz, welches einzig und allein geschaffen wurde um ein CCS--Kohlekraftwerk in Jänschwalde (Brandenburg) von Vattenfall zu legitimieren. Mit bis zu drei Mio. Tonnen CO2 soll das dort in einer Größenordnung geschehen, die es so bisher unter vergleichbaren Bedingungen noch nirgendwo auf der Welt gab. Das ist keine saubere und systematische Technologieentwicklung sondern ein mehr als fragwürdiger Großversuch mit offenem Ausgang, einzig und allein um neue Kohlekraftwerke mit der vagen Hoffnung auf CCS weiter legitimieren zu können.
Warum sollten deutsche Steuerzahler hunderte Millionen Euro für die CCS-Technik bei der Kohleverstromung zahlen, wenn bereits nachgewiesen ist, dass die potenziellen CO2-Endlagerstätten in Deutschland letzlich nur für wenige Jahre ausreichen und CCS andere Nutzungen wie Geothermie, Gasspeicherung u. a. ausschließt? Warum sollten wir Millionen Euro für die Demonstration einer Technologie zahlen, die dann in China oder Indien zur Anwendung kommen könnte, wenn wir gleichzeitig mit diesen Geldern der Welt zeigen können, dass man mit Erneuerbaren Energien, Energieeffizenz und Energieeinsparung einen tatsächlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann?
Die CCS-Technologie bei Kohlekraftwerken ist keine Antwort auf die drängende Frage einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Wir brauchen nicht den Umweg über die Kohle und der Verpressung ihrer Abgase im Boden. Denn bis CCS überhaupt großtechnisch einsetzbar ist, sind Erneuerbare Energien längst die kostengünstigere Alternative.
Lediglich in der Industrie könnte CCS eine Option darstellen. Dort fallen jährlich etwa 80 Mio. Tonnen prozessbedingte CO2-Emissionen an, - z. B. bei der Stahl- und Zementproduktion, - für die es heute noch keine Vermeidungsoption gibt. Vor dem Hintergrund der Erreichung einer emissionsfreien Gesellschaft in der Mitte des Jahrhunderts müssen auch für diese prozessbedingten Emissionen Vermeidungsstrategien entwickelt werden. Hier könnte CCS durch ein schmales Forschungsgesetz eine zu prüfende Option sein.
In einem Punkt liegt der Artikel „Probiert’s doch mal!“ jedoch richtig. Die schwarz-gelbe Koalition im Bund und die rot-rote Landesregierung in Brandenburg, die sich vehement für diese Technologie einsetzen und dabei wechselseitig konträr zu ihren eigenen Parteikollegen jeweils im Bund und in anderen Ländern stehen, können sich ihre Arbeit tatsächlich sparen ein solches Gesetz zu verabschieden, denn das Gesetz ist ein Rohrkrepierer in jeder Hinsicht.









