Grüne im Bundestag - Grüne im Bund - Grüne in NRW - Grüne in Düren | Sitemap - Impressum | ![]()
Suchwolke
- ahaus
- akw
- atom
- atomkraft
- atommüll
- bergrecht
- bergschäden
- braunkohle
- bundestag
- bundestagsrede
- castor
- ccs
- düren
- eeg
- eifel
- energie
- energieeffizienz
- energiekonzept
- energien
- energiewende
- erdgas
- erneuerbare
- eu
- fachgespräch
- fracking
- gas
- jülich
- klima
- kohle
- kohlekraftwerk
- kopplung
- kraft
- krischer
- kwk
- länderklausel
- map
- marktanreizprogramm
- mini
- nationalpark
- nrw
- oliver
- rekommunalisierung
- rwe
- shale
- steinkohle
- steinkohlesubventionen
- teersande
- unkonventionelles
- wahlkreis
- wärme
Studie zu Spritpreisen - Spekulanten kassieren kräftig ab
Im Auftrag der GRÜNEN Bundestagsfraktion hat Dr. Steffen Bukold von EnergyComment Hamburg die überhöhten Spritpreise durch Spekulationen an den Rohölmärkten aufgedeckt.Die Kraftstoffpreise (Benzin, Diesel) sind in Deutschland in den vergangenen Jahre gestiegen. Das ist vor allem eine Folge höherer Rohölpreise. Sie legten seit Anfang 2009 um über 100 Prozent von knapp über 40 auf aktuell 85 Dollar je Fass zu.
Die Preisfindung findet heute in erster Linie auf Terminmärkten statt, insbesondere an den beiden großen Ölbörsen (Nymex in New York, ICE in London). Dort werden an einem durchschnittlichen Handelstag 1,1 Milliarden Barrel im Wert von 93 Milliarden Dollar "umgeschlagen". Dieses Handelsvolumen ist 13x größer als die physische Erdölförderung. Die offenen Lieferkontrakte für WTI-Rohöl und Brent-Rohöl (die beiden wichtigsten Rohölsorten für die weltweite Preisfindung) erreichen derzeit einen Umfang von 2,65 Milliarden Fass Öl im Wert von 225 Milliarden Dollar.
Korrelationsanalysen und statistische Erhebungen der amerikanischen Terminmarktaufsicht zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Spekulation und Ölpreisen. Dabei können zwei Spekulationstypen unterschieden werden: (a) kurzfristige Spekulationswellen, die ein bis zwei Monate laufen und vor allem von Hedgefonds getragen werden. (b) langfristige spekulative Engagements, die von großen Investmentfonds, ETFs, Banken und ebenfalls Hedgefonds finanziert werden.
Die Gewichtung der Akteure und ihre Strategien ändern sich laufend, aber dennoch kann man feststellen, dass die Wetten auf steigende Ölpreise gegenüber den Wetten auf fallende Ölpreise schon seit Jahren dominieren. Im Moment liegt das Saldo allein der statistisch erfassbaren Ölpreiswetten bei +407 Millionen Barrel. Es wird also mit umgerechnet mindestens 34,6 Milliarden Dollar auf steigende Preise gewettet. Tatsächlich dürfte diese Summe noch höher ausfallen, wenn für alle großen Ölkontrakte Daten öffentlich zugänglich wären. Die Art der Preisfindung im Spotmarkt und diverse Rückkopplungen führen dazu, dass hohe Terminmarktpreise die Spotpreise physischer Öllieferungen direkt beeinflussen.
Wie wirkt sich dies nun aber auf die Tankstellenpreise aus? Nach der Analyse in der Studie werden die Rohölpreise im Moment (Anfang April) durch eine kurzfristige Spekulationswelle um 8-12 Dollar/Barrel und durch die langfristigen Spekulationswellen um zusätzliche 17-23 $/b erhöht. Der Rohölpreis von derzeit 85 $/ b enthält also eine "Spekulationsprämie" von circa 30 $/b, also 35 Prozent. Die Rohöl- und damit die Benzin- und Dieselpreise werden dadurch im Schnitt um 0,14 Euro je Liter noch oben verzerrt. Deutsche Autofahrer werden dadurch bei einer Tankfüllung (50 Liter) mit 7 Euro zusätzlich belastet. Auf ein Jahr hochgerechnet (13.000 km Fahrleistung / 7,5 Liter Verbrauch) sind dies pro Fahrzeug 136 Euro. Addiert man die Belastung aller PKW in Privathaushalten in Deutschland ergeben sich Mehrkosten von 5,0 Mrd. Euro pro Jahr.
Weltweit ergeben sich für den Straßenverkehr Mehrkosten von 361 Mrd. Dollar pro Jahr (ca. 267 Mrd. Euro) bzw. 990 Millionen Dollar pro Tag (ca. 733 Mio. Euro).
Die globale Nachfrage nach Öl zieht in diesem Jahr an. Parallel dazu werden die Reservekapazitäten der OPEC-Staaten schrumpfen. Ein nennenswerter Ausbau des fossilen Rohölangebotes ist unwahrscheinlich, da neue Felder auf mittlere Sicht bestenfalls mit der Erschöpfung alter Felder Schritt halten können. Eine mittelfristige Angebotsverknappung erscheint unausweichlich und wird nur noch von wenigen Experten in Frage gestellt.
Der Umbau der Energieversorgung läuft im Moment zu langsam, um dieses Problem rechtzeitig durch Peak Demand, also eine global schrumpfende Ölnachfrage, entschärfen zu können. Gleichzeitig versorgen die Zentralbanken der Industrieländer die Finanzmärkte weiter mit Liquidität, um das Zinsniveau aus konjunkturpolitischen Gründen niedrig zu halten. Eine sich anbahnende physische Verknappung und die hohe Finanzmarktliquidität sprechen deutlich für steil steigende Ölpreise. Es ist daher wahrscheinlich, dass wir schon bald neue Rekordpreise über 150 Dollar pro Fass und Benzinpreise über 2,0 Euro/Liter erleben werden.
Nur ein beschleunigter Umbau der Energieversorgung und Mobilitätsangebote sowie eine Reform der Finanzmärkte, insbesondere der Ölterminmärkte, könnte hier gegensteuern.
Erste Maßnahmen könnten sein:
• Erhöhte Transparenz der börsennotierten Terminmärkte. Erhöhte Transparenz der Swap Dealer (Banken) und ihrer Positionen auf den Terminmärkten und im OTC-Handel.
• Positionslimits, also eine Art „Kartellrecht“ auf Terminmärkten, die eine Preislenkung durch große Akteure erschwert, insbesondere im Frontkontrakt.
• Erhöhte Transparenz der physischen Ölmärkte, insbesondere der Lagersituation außerhalb der Industrieländer, aber auch des tatsächlichen Ölkonsums.
• Ein engerer Dialog zwischen den ölproduzierenden und ölkonsumierenden Staaten.
• In den letzten neun Jahren erlebten die Märkte eine exzessive Spekulationsblase nach der anderen (Dotcom-Boom, US-Immobilienkrise, Ölpreishausse 2008, Finanzmarktkrise 2009).
Vor diesem Hintergrund muss auch grundsätzlich über den volkswirtschaftlichen Nutzen von Finanzmarktakteuren in Ölmärkten nachgedacht werden. Diese Debatte wird in den USA bereits intensiv geführt. Große Ölverbraucherländer wie Deutschland sollten sich im Rahmen der aktuellen Reform der Finanzmärkte und der Finanztransaktionssteuern (Tobin Tax) intensiver mit dieser Frage beschäftigen.
Die Ölpolitik im 21. Jahrhundert bleibt damit eine schwierige Gratwanderung, die mit der Ölpreisproblematik, dem Klimaschutz und Peak Oil gleich vor drei komplexen Herausforderungen steht. Tiefgreifende Strukturveränderungen der Ölmärkte und neue Konzepte nationaler und internationaler Ölpolitik werden in den kommenden Jahren unumgänglich sein.
Die komplette Studie kann unter nachfolgendem Link abgerufen werden.











